Automatisierung von Förderanlagen im südafrikanischen Bergbau | SENTRADO

Eine detaillierte Fallstudie über die Automatisierungslösung von SENTRADO, die messbare Ergebnisse für den Bergbaubetrieb in Südafrika liefert.

Bergbau 📍 Südafrika ⚙️ Hauptfördersystem 📅 Abgeschlossen 2023
Projektübersicht

Projekthintergrund & Ziele

Ein Platinbergbaubetrieb im südafrikanischen Bushveld Complex beauftragte SENTRADO mit der Planung und Lieferung eines robusten Fördersteuerungssystems für sein primäres Erztransportnetzwerk. Das Fördersystem, das sich über mehr als 3 Kilometer mit mehreren Übergabepunkten erstreckt, transportiert das Roherz vom Primärbrecher zur Aufbereitungsanlage mit einer Kapazität von bis zu 2.400 Tonnen pro Stunde. Die raue Bergbauumgebung – gekennzeichnet durch Staub, Vibrationen, Feuchtigkeit und starke Temperaturschwankungen – hatte zu wiederholten Ausfällen des bisherigen Steuerungssystems geführt, was kostspielige Produktionsausfälle zur Folge hatte.

Der Kunde forderte ein Steuerungssystem, das in einer der anspruchsvollsten Industrieumgebungen der Erde bestehen kann und über Redundanz verfügt, damit ein einzelner Komponentenausfall den Erzfluss nicht unterbricht. Sicherheit hatte höchste Priorität: Das Fördersystem umfasst mehrere Not-Aus-Kreise, Not-Aus-Leinenzugschalter, eine Bandrutschüberwachung sowie Verstopfungsmelder für die Rutschen, die an das sicherheitsgerichtete System der Mine angekoppelt sein müssen.

SENTRADO lieferte eine Komplettlösung, die IP65-Schaltschränke, eine redundante SPS-Architektur, frequenzumrichtergesteuerte Förderermotoren, HMI-Bediengeräte für die lokale Steuerung und ein SCADA-System für die zentrale Überwachung umfasst. Das System wurde für eine schnelle Instandhaltung mit Hot-Swap-I/O, modularen Komponenten und einer umfassenden Diagnostik konzipiert, um die mittlere Reparaturzeit (MTTR) vor Ort zu minimieren.

Kundenherausforderung

Zu lösende Probleme

1. Extreme Umgebungsbedingungen

Die Förderstrecke führt durch einen Tagebaubereich, in dem die Steuerungstechnik starkem Mineralstaub, Hochdruckreinigungen, Vibrationen durch Brechanlagen und Temperaturen von -5°C bis 45°C ausgesetzt ist. Die bisherigen IP54-Schaltschränke ließen Staubeintritt zu, der zu Ausfällen von I/O-Karten führte.

2. Kosten durch ungeplante Stillstandszeiten

Jede Stunde Fördererstillstand legt die gesamte nachgeschaltete Aufbereitungsanlage still, was zu geschätzten Produktionsausfällen von 50.000 $ pro Stunde führt. Das vorherige System verzeichnete durchschnittlich 2-3 ungeplante Stillstände pro Monat aufgrund von Ausfällen der Steuerungstechnik.

3. Einhaltung der Sicherheitsvorschriften für Förderanlagen

Die südafrikanischen Bergbauvorschriften (Mine Health and Safety Act) verlangen für den Fördertransport zertifizierte Sicherheitssysteme, einschließlich einer Not-Aus-Abdeckung entlang der gesamten Bandstrecke, einer Schlupf- und Fluchtüberwachung sowie einer automatischen Abschaltung bei Erkennung gefährlicher Zustände.

4. Lange Förderstrecke

Mit über 3 Kilometern Länge erfordert der Förderer dezentrale I/O-Systeme und MCC-Schaltschränke an mehreren Punkten entlang der Strecke. Die Signaldämpfung über lange Kabelstrecken und die Netzwerkzuverlässigkeit über diese Distanz waren zentrale Konstruktionsaspekte.

5. Vibrationen und mechanische Belastung

Die Brechanlagen, Übergabepunkte und Förderantriebe erzeugen erhebliche Vibrationen, die Klemmverbindungen lockern, elektronische Bauteile beschädigen und zu Fehlauslösungen in der konventionellen Steuerungstechnik führen können.

SENTRADO-Lösung

Unser Ansatz und die Systemarchitektur

SENTRADO entwickelte ein redundantes Fördersystem auf Basis der redundanten Steuerungen Siemens S7-1500R, das ein automatisches CPU-Failover mit synchronisierten Daten ermöglicht. Die I/O-Architektur nutzt ET 200SP dezentrale Stationen in IP65-Schutzgehäusen, die an jedem Förderantrieb, Übergabepunkt und am Primärbrecher installiert sind. Diese Stationen sind über einen redundanten PROFINET-Glasfaserring mit den zentralen Steuerungen verbunden, was die Signaldämpfung über die 3 Kilometer lange Strecke eliminiert und eine Netzwerkfehlertoleranz gewährleistet.

Alle Schaltschränke sind für IP65 mit gedichteten Türen, gefilterter Druckbelüftung und schwingungsgedämpfter Montage spezifiziert. Die internen Komponenten verwenden Federzugklemmen anstelle von Schraubklemmen, um ein Lösen durch Vibrationen zu verhindern, und alle Leiterplatten erhalten eine Schutzlackierung für Staub- und Feuchtigkeitsschutz. Die Schaltschränke verfügen über thermostatisch geregelte Kondensschutzheizungen für kalte Winternächte und eine gefilterte Zwangsluftkühlung für die Sommerhitze.

Die Fördersteuerung umfasst synchronisierte Sanftanlauf- und Sanftstopp-Sequenzen, die die Bandspannung über mehrere angetriebene Trommeln regeln und so Bandschäden durch plötzliche Drehmomentänderungen verhindern. Die Bandschlupferkennung vergleicht die Drehzahl der Antriebstrommel mit der der Endtrommel, wobei bei 5 % Schlupf ein Alarm und bei 10 % eine Abschaltung ausgelöst wird. Entlang des Förderers sind alle 50 Meter Not-Aus-Zugseilschalter installiert, die über eine adressierbare Sicherheits-I/O die genaue Position jeder Auslösung anzeigen. Die frequenzumrichtergesteuerten Motoren ermöglichen eine präzise Drehzahlregelung, Lastverteilung zwischen mehreren Antrieben und Energieeinsparungen im Teillastbetrieb.

Highlights der Systemarchitektur

  • Redundante Steuerungen Siemens S7-1500R mit automatischem Failover
  • IP65-Schaltschränke mit Federzugklemmen und lackgeschützter I/O
  • Redundanter PROFINET-Glasfaserring über die 3 km lange Strecke
  • Dezentrale ET 200SP E/A an jedem Antrieb und Übergabepunkt
  • Erkennung von Bandschlupf, Bandlaufabweichung und verstopften Rutschen
  • Adressierbarer Not-Aus-Zugseilschalter alle 50 Meter mit Standort-ID
  • Frequenzumrichtergesteuerte Motoren mit synchronisiertem Sanftanlauf/-stopp
  • Schwingungsgedämpfte Schaltschrankmontage und Kondensschutzheizung
Technische Daten

Systemparameter & Konfiguration

SteuerungssystemSiemens SIMATIC S7-1500R (redundant)
Steuerungen2 × CPU 1515R-2 PN (redundantes Paar)
Gesamt-I/O-Punkte520+ (AI: 60, AO: 20, DI: 320, DO: 120)
Sicherheits-I/O84 × Failsafe-DI (Not-Halt, Zugseil)
KommunikationsprotokollPROFINET IRT / PROFIsafe / Modbus TCP
HMI-Panels3 × SIMATIC HMI TP1500 (IP65)
Schaltschränke6 × IP65 mit Schwingungsdämpfung
Frequenzumrichter4 × ABB ACS880 (je 250 kW)
Förderbandlänge3,2 km gesamte Bandstrecke
Förderleistung2.400 t/h
Not-Halt-AbdeckungNot-Halt-Zugseilschalter alle 50 Meter
Systemverfügbarkeit99,9 % (6 Monate ohne ungeplante Ausfallzeiten)
Eingesetzte Ausrüstung

Hauptkomponenten & Hardware

Siemens CPU 1515R-2 PN

6ES7515-2RM00-0AB0

Redundante Förderersteuerung

ET 200SP E/A

6ES7155-6AU01-0BN0

Dezentrale E/A im IP65-Gehäuse

ET 200SP F-E/A

6ES7136-6BA00-0CA0

Fehlersicheres digitales Eingangsmodul

SIMATIC HMI TP1500

6AV2124-0QC02-0AX1

IP65 Comfort Panel

ABB ACS880 Frequenzumrichter

3ABD00035842-D

250-kW-Industrieantrieb

SCALANCE X204RNA

6GK5204-0BA00-2KB2

Redundanter PROFINET-Switch

Rittal HD IP65-Schaltschrank

HD 1680.600

Staubdichtes Schutzgehäuse für Nassreinigung

SIRIUS Sicherheitsrelais

3SK1211-1BB40

Auswertung des Sicherheitsstromkreises

Implementierungszeitplan

Projektphasen

Engineering & Design

5 Wochen

Steuerungslogik für Förderanlage, Sicherheitssystem, Netzwerkplanung

Schaltschrankfertigung

5 Wochen

6 IP65-Schaltschränke mit Schwingungsdämpfung

Softwareentwicklung

6 Wochen

SPS, Sicherheitslogik, HMI, Frequenzumrichter-Synchronisierung

FAT

1 Woche

Vollständige Simulation einschließlich Not-Halt- und Schlupftests

Versand nach Südafrika

5 Wochen

Seefracht nach Durban, Straßentransport zur Baustelle

Installation & Inbetriebnahme

4 Wochen

Montage, Glasfaserspleißen, Schleifenprüfungen, Inbetriebnahme

Leistungstest

4 Wochen

6-monatige Überwachungsphase mit Fernunterstützung

Schulung & Übergabe

1 Woche

Schulung des Instandhaltungsteams und Dokumentation

Quantifizierte Ergebnisse

Messbare Ergebnisse

Leistungsdaten nach Systeminbetriebnahme und Dauerbetrieb verifiziert.

0
Ungeplante Ausfallzeiten

Null Stillstände in 6 Monaten Betrieb

99.9%
Systemverfügbarkeit

Leistung der redundanten Architektur

50%
Schnellere Fehlerortung

Adressierbare Sicherheits-E/A ermöglicht präzise Fehlerlokalisierung

15%
Energieeinsparungen

Optimierung der Frequenzumrichter-Lastverteilung

Vorher vs. Nachher: Quantifizierter Vergleich

Kennzahl Vorher Nachher Veränderung
Ungeplante Ausfallzeiten Häufig (veraltete Steuerungen) 0 Stillstände in 6 Monaten −100%
Systemverfügbarkeit ~93% (einzelne SPS) 99.9% (redundante Architektur) +6.9 Pkt.
Fehlerortungszeit Stunden (manuelle Fehlersuche) 50% schneller (adressierbare E/A) −50%
Energieverbrauch Ausgangsbasis (Festdrehzahl) 15% Einsparungen durch Lastverteilung mit Frequenzumrichtern −15%
Sicherheitsreaktion Nur manueller Not-Aus Präzise Ortung durch adressierbare Sicherheits-E/A Präzise

Daten basieren auf den Inbetriebsetzungsberichten des Projekts und kontinuierlichen Betriebsmessungen. Der Name des Kunden ist unter NDA verfügbar.

Wirtschaftlicher Gesamteffekt

Das gelieferte Automatisierungssystem übertraf alle im Vertrag festgelegten Leistungsziele und erzielte im Vergleich zum Ausgangsbetrieb einen höheren Durchsatz, einen geringeren Energieverbrauch und eine verbesserte Produktqualität. Der Kunde meldete die vollständige Amortisation der Investition innerhalb des prognostizierten Amortisationszeitraums und hat SENTRADO seitdem mit weiteren Phasen der Anlagenerweiterung beauftragt.

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