Ägypten: Automatisierung einer Sojaölanlage mit 100.000 t/Jahr Kapazität | SENTRADO

Eine detaillierte Fallstudie zur Automatisierungslösung von SENTRADO, die messbare Ergebnisse für die Lebensmittelverarbeitung in Ägypten liefert.

Lebensmittelverarbeitung 📍 Ägypten ⚙️ 100.000 t/J Kapazität 📅 Abgeschlossen 2024
Projektübersicht

Projekthintergrund & Ziele

SENTRADO lieferte eine vollständige Greenfield-Automatisierungslösung für eine Sojaölanlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr, die in der Nähe von Alexandria, Ägypten, gebaut wurde. Da es sich um ein Neubauprojekt ohne bestehende Steuerungsinfrastruktur handelte, hatte der Kunde die Möglichkeit, ein hochmodernes Automatisierungssystem von Grund auf zu implementieren – und wählte SENTRADO als alleinigen Automatisierungsauftragnehmer für die gesamte Anlage.

Die Anlage umfasst die Rohstoffannahme und -lagerung, Saataufbereitung, Lösungsmittelextraktion, Ölraffination, Entschleimung, Neutralisation, Bleichung, Desodorierung sowie die Verpackung der Endprodukte. Der Automatisierungsumfang erstreckte sich auf jeden Motor, jedes Ventil, jedes Messgerät und jeden Förderer in allen Prozessbereichen. Damit zählt dieses Vorhaben zu den umfassendsten Automatisierungsprojekten, die SENTRADO in der Region Naher Osten und Nordafrika realisiert hat.

Da es sich bei dem Projekt um einen Greenfield-Ansatz handelte, arbeitete SENTRADO bereits in der Planungsphase eng mit dem EPC-Kontraktor (Engineering, Procurement, Construction) zusammen und lieferte wichtige Impulse für die Instrumentenauswahl, die Leitstandgestaltung, die Kabelverlegung und die Netzwerkarchitektur, um eine optimale Integration der mechanischen, elektrischen und automatisierungstechnischen Gewerke sicherzustellen.

Kundenherausforderung

Zu bewältigende Herausforderungen

1. Greenfield-Komplexität

Der Start bei null Infrastruktur bedeutete, dass jeder Aspekt des Automatisierungssystems – von der Netzwerk-Topologie bis zur Platzierung der Bedienerarbeitsplätze – ohne den Vorteil bestehender Systeme oder Referenzpunkte ausgelegt, spezifiziert und geliefert werden musste.

2. Multi-Prozess-Integration

Die Anlage kombiniert neun unterschiedliche Prozessbereiche, jeder mit eigenen Steuerungsanforderungen, Reaktionszeiten und Sicherheitsaspekten. Diese in eine einheitliche Steuerungsplattform zu integrieren und dabei die logische Trennung aufrechtzuerhalten, war eine erhebliche ingenieurtechnische Herausforderung.

3. Wasserknappes Umfeld

Die Wasserknappheit in Ägypten erforderte, dass das CIP-System (Clean-in-Place) den Wasserverbrauch minimiert und gleichzeitig strenge Lebensmittelhygienestandards erfüllt. Herkömmliche CIP-Sequenzen waren für die lokalen Gegebenheiten zu wasserintensiv.

4. Personalentwicklung

Die lokale Belegschaft hatte nur begrenzte Erfahrung mit industrieller Automatisierung. Der Kunde forderte ein leicht erlernbares System sowie ein umfassendes Schulungsprogramm, das interne Kompetenzen für den langfristigen Betrieb und die Instandhaltung aufbauen sollte.

5. Heißes Klima & Staub

Das Küstenwüstenklima in Alexandria bringt hohe Temperaturen, salzhaltige Luftfeuchtigkeit und feinen Sandstaub mit sich. Alle Feldgeräte und Schaltschränke mussten vor diesen korrosiven und abrasiven Bedingungen geschützt werden.

SENTRADO-Lösung

Unser Ansatz & Systemarchitektur

SENTRADO entwickelte eine vollständig integrierte Automatisierungsplattform auf Basis von Siemens S7-400-Steuerungen mit dezentraler Peripherie ET 200SP, verbunden über ein Hochgeschwindigkeits-PROFINET-Backbone mit Glasfaser-Redundanz. Das System nutzt eine Client-Server-Architektur mit vier WinCC-Bedienerstationen im zentralen Leitstand und zwei lokalen HMI-Bediengeräten in den Extraktions- und Verpackungsbereichen. Das Netzwerk wurde aus Sicherheits- und Leistungsgründen in VLANs für Prozesssteuerung, Sicherheit und Business-IT segmentiert.

Das CIP-System wurde mit einer Wasserrückgewinnungslogik neu konzipiert, die das Spülwasser des letzten Ganges auffängt und für den Vorspülzyklus der nächsten Reinigungssequenz wiederverwendet, wodurch der Süßwasserverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen CIP-Designs um etwa 40 % reduziert wird. Automatisierte Ventilterminalblöcke leiten die Reinigungslösungen basierend auf der Rezeptauswahl durch die richtigen Kreise, wobei Leitfähigkeits- und Temperatursensoren die Waschwirksamkeit überprüfen, bevor das System wieder in die Produktion übergeben wird.

Das Silomanagement wurde vollständig automatisiert mit Radar-Füllstandsmessung, Belüftungssteuerung basierend auf Getreidetemperatur und -feuchtigkeit sowie automatisierter LKW-Annahme mit chargenverfolgungsbasierter Barcode-Identifikation. Das Chargensteuerungssystem verwaltet Wiege-, Dosier- und Mischsequenzen mit elektronischen Chargenprotokollen, die eine vollständige Rückverfolgbarkeit von der Anlieferung der Sojabohnen bis zum abgefüllten Öl ermöglichen. Alle Feldschränke wurden mit IP55-Schutz, Edelstahlbeschlägen und gefilterter Belüftung ausgelegt, um der Küstenwüstenumgebung standzuhalten.

Highlights der Systemarchitektur

  • Siemens S7-400-Steuerungen mit dezentraler Peripherie ET 200SP über 9 Prozessbereiche
  • PROFINET-Glasfaserringnetzwerk mit VLAN-Segmentierung
  • WinCC SCADA mit 4 Leitstandsstationen und 2 Feld-HMIs
  • CIP-System mit Wasserrückgewinnung, das den Süßwasserverbrauch um 40 % reduziert
  • Automatisiertes Silomanagement mit Radar-Füllstandsmessung und Belüftungssteuerung
  • Chargensteuerung mit elektronischen Chargenprotokollen und Rückverfolgbarkeit
  • Barcode-gestützte Rohstoffannahme und Chargenrückverfolgbarkeit
  • IP55-Edelstahlschränke für den Schutz in der Küstenwüste
Technische Spezifikationen

Systemparameter & Konfiguration

SteuerungssystemSiemens SIMATIC S7-400
Steuerungen2 × CPU 414-3 (redundant) + 1 Sicherheits-CPU
Gesamtzahl der E/A-Punkte2.800+ (AI: 420, AO: 140, DI: 1.600, DO: 640)
KommunikationsprotokollPROFINET IRT / PROFIBUS DP / AS-i Safety
HMI / SCADAWinCC RT Professional — 4 OS + 2 lokale HMI
Schaltschränke16 × IP55 Edelstahl
Dezentrale E/A-Stationen22 × ET 200SP
CIP-Sequenzen12 automatisierte Reinigungskreisläufe
Leistungsbereich380 V 3-phasig, 50 Hz + 24 V DC-Steuerung
Silokapazität8 × 5.000-Tonnen-Silos mit automatischer Verwaltung
ChargenprotokolleElektronische Produktgenealogie von der Annahme bis zur Verpackung
Manuelle Eingriffe95 % Reduzierung im Vergleich zu konventionellen Anlagen
Verwendete Ausrüstung

Hauptkomponenten & Hardware

Siemens CPU 414-3

6ES7414-3XM05-0AB0

Hauptprozesssteuerung (redundantes Paar)

ET 200SP E/A

6ES7155-6AU01-0BN0

Dezentrale Peripherie mit Hot-Swap-Modulen

WinCC RT Professional

6AV2105-0DA06-0AA0

Zentrale Leittechnik mit Batch-Option

SITRANS LR250 Radar

7ML5427-0CL00-0AC1

Berührungslose Silo-Füllstandsmessung

SIPART PS2 Stellungsregler

6DR5210-0EG00-0AA0

Intelligenter Stellungsregler für Regelventile

SIRIUS 3RW55 Sanftstarter

3RW5534-6HA14

Motoranlauf mit reduzierter Spannung

Rittal HD-Schaltschrank

HD 1680.600

Edelstahlgehäuse IP55

SCALANCE XC216 Switch

6GK5216-0BA00-2AC2

Managed PROFINET Switch

Zeitplan für die Implementierung

Projektphasen

FEED & Detailplanung

10 Wochen

Planung der Prozessautomation, I/O-Listen, Netzwerkplan

Schaltschrankbau

8 Wochen

16 Schaltschränke gefertigt, verdrahtet und werkseitig geprüft

Software-Engineering

12 Wochen

Umfassende Anwendungsentwicklung inklusive CIP und Batch

Werksabnahmeprüfung

3 Wochen

Umfassende Simulation mit Kunden- und EPC-Teams

Versand nach Ägypten

4 Wochen

Seefracht zum Hafen von Alexandria

Installationsüberwachung

8 Wochen

Vor-Ort-Unterstützung während der mechanischen Installation

Inbetriebnahme & SAT

6 Wochen

Schleifenprüfungen, Nassinbetriebnahme, Leistungstest

Schulung & Übergabe

3 Wochen

Theoretische und praktische Bedienerschulung

Quantifizierte Ergebnisse

Messbare Ergebnisse

Leistungsdaten nach Systeminbetriebnahme und Dauerbetrieb verifiziert.

95%
Weniger manuelle Eingriffe

Nahezu vollautomatischer Betrieb

40%
Wassereinsparung

CIP-Wasserrückgewinnungssystem

100%
Chargenrückverfolgbarkeit

Vollständige Rückverfolgbarkeit für Lebensmittelsicherheit

0
Sicherheitsvorfälle

Null meldepflichtige Vorfälle während der Inbetriebnahme

Vorher vs. Nachher: Quantifizierter Vergleich

Kennzahl Vorher Nachher Veränderung
Manueller Eingriff Hoch (bedienerabhängig) 95% automatisierter Betrieb −95%
CIP-Wasserverbrauch Ausgangswert (Einmaldurchlauf) 40% Einsparung durch Rückgewinnung −40%
Chargenrückverfolgbarkeit Manuelle Logbücher 100% digitale Genealogie Vollständige Rückverfolgbarkeit
Sicherheitsvorfälle Risiko während der Inbetriebnahme 0 meldepflichtige Vorfälle Null
Inbetriebnahmezeit Branchendurchschnitt 8–12 Monate Planmäßig abgeschlossen Termingerecht

Die Daten basieren auf den Inbetriebnahmeberichten des Projekts und kontinuierlichen Betriebsmessungen. Der Name des Kunden ist unter NDA verfügbar.

Wirtschaftliche Gesamtergebnisse

Das gelieferte Automatisierungssystem übertraf alle im Vertrag festgelegten Leistungsziele und erzielte im Vergleich zum Ausgangsbetrieb einen höheren Durchsatz, einen geringeren Energieverbrauch und eine verbesserte Produktqualität. Der Kunde berichtete von einer vollständigen Amortisation der Investition innerhalb des prognostizierten Amortisationszeitraums und hat SENTRADO seitdem mit weiteren Erweiterungsphasen der Anlage beauftragt.

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Ob Sie eine vollständige DCS-Migration, kundenspezifische SPS-Schaltschränke oder eine schlüsselfertige Automatisierungslösung benötigen – unsere Ingenieure stehen Ihnen zur Verfügung. Fordern Sie noch heute eine kostenlose Beratung und ein Angebot an.